Unterwegs nach Norden

 

Karte: Von Hyderabad nach MalakwalIm Sonderzug über 1200 km nach Norden

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Vor uns liegt die längste Etappe dieser Reise. Aus der Provinz Sindh geht es in die Provinz Punjab zum nächsten Dampf-Ziel Malakwal, das wir nach Plan am folgenden Abend erreichen sollen. Insgesamt werden wir bis dort hin mehr als 1200 km zurücklegen.

Der anstehende erste Teil dieser Etappe ist eine Nachtfahrt. Bis zum nächsten Morgen soll der Zug 800 km hinter sich bringen und den Bahnknoten Khanewal erreichen. Bis Khanewal ist Dieseltraktion vorgesehen.


Im Speisewagen, 55 kBIm Speisewagen

In Hyderabad, wo wir unsere SGS aus Mirpur Khas entlassen, nimmt der Lokwechsel reichlich Zeit in Anspruch. Während der Zug am Bahnsteig steht, wird im Speisewagen das Abendessen serviert. Da, wie schon erwähnt, an unserem Zug keine Wagenübergänge existieren, ist das Umsteigen in den Speisewagen nur bei stehendem Zug möglich und über den Bahnsteig auch ohne Kletterei möglich. Die Crew im Speisewagen gibt sich alle Mühe und verabreicht abwechselnd einheimische und europäische Speisen. An Getränken allerdings wird nur Alkoholfreies angeboten, wir sind in einem streng-islamischen Land.

19. Januar 1996
 


Bf Hyderabad, Bahnsteig, 63 kBAm Bahnsteig in Hyderabad

Auch nach Beendigung des Abendessens deutet noch nichts auf eine Abfahrt hin. Man kann sich die Zeit beispielsweise auf dem Bahnsteig mit einer Tasse Tee am Imbißstand vertreiben. Für umgerechnet weniger als 10 Pfennig erhält man Tee mit Milch frisch aufgekocht, gewürzt mit Kardamon und reichlich gesüßt, ein Nationalgetränk.

Getränke, kleine Speisen und Reisebedarf gibt es an diversen Verkaufsständen, die auf den Bahnsteigen aller größeren Bahnhöfe zu finden sind.

19. Januar 1996


Irgendwann beginnt die Fahrt schließlich doch. Der Zug folgt zunächst der 1685 km langen Hauptstrecke von Karachi nach Peshawar. Den Geräuschen und dem Schütteln nach zu urteilen bewegen wir uns recht flott. Durch den Schlaf dringt zu mir durch, daß wir gelegentlich irgendwo halten, nicht sehr häufig, denn die Strecke ist zweigleisig. Irgendwann wache ich auf, als jemand auf dem Wagendach rumtrampelt. Am nächsten Tag finde ich heraus, daß die Einfüllstutzen der Wassertanks der Reisezugwagen sich auf dem Dach befinden und die Befüllung an jedem größeren Unterwegshalt erfolgt.

Am nächsten Morgen rattern wir immer noch durch die Gegend und versuchen zunächst mal rauszufinden, wo wir sind. Aus einem Bahnhofsschild geht hervor, daß wir Lodhran inzwischen hinter uns haben und Khanewal als nächsten großen Halt vor uns. Die Strecke ist nur noch eingleisig und wir halten öfters, Gelegenheit, in den Speisewagen fürs Frühstück zu wechseln.


Dorf ndl. Lodhran, 71 kBDorf zwischen Lodran und Khanewal

Die Landschaft ist flach, und die meisten Flächen werden dank Bewässerung  landwirtschaftlich genutzt. Wir durchfahren einige Dörfer, aber keine größeren Ortschaften. Der Zug fährt meist zu schnell, um bei den Passanten besondere Beachtung aufgrund unserer Hautfarbe zu erwecken.

20. Januar 1996


Bf. Khanewal, Elok, 79 kBKhanewal - elektrischer Betrieb

Endlich erreichen wir Khanewal, einen Bahnknoten. Von Lhodran aus führt hierher neben der Strecke, die wir gekommen sind und die als "Chord" bezeichnet wird, eine andere Strecke, bezeichnet als "Loop" über die Millionenstadt Multan. Dann geht die Hauptstrecke von hieraus weter nach Osten in Richtung Lahore, während wir nach Nordosten abbiegen werden.

Zwischen Khanewal und Lahore befindet sich der einzige elektrifizierte Streckenabschnitt, knapp 300 km (25 kV, 50Hz). Nr 7008 gehört zur alleinigen vorhandenen elektrischen Baureihe BCU30 und stammt von einem englischen Konsortium aus den 60er Jahren.

20. Januar 1996


Bf Khanewal, Händler, 70 kBNußverkäufer in Khanewal

Die Angebote an Reiseverpflegung und Reisebedarf sind vielfältig. Besonders beliebt sind Nüsse aller Sorten, mit denen sich auch der eine oder andere unserer Gruppe hier eindeckt.

20. Januar 1996


Bf. Khanewal, BR CWD am Bahnsteig, 83 kBBaureihe CWD am Bahnsteig

Wir schicken unsere Diesellok in Khanewal ins Depot und bekommen eine Dampflok davor, diesmal ein Exemplar der Baureihe CWD. Es handelt sich um eine im zweiten Weltkrieg von den Allierten gelieferte kanadische Kriegslok (Canadian War Department). In Khanewal ist der Dampfbetrieb offiziell seit einigen Jahren vorbei und Dampfloks erregen erhöhte Aufmerksamkeit. Neben den Obsthändlern im Vordergrund hat auch ein Schuhverkäufer sich zu diesem Bahnsteig hin aufgemacht (und seinen Verkaufskarren vor dem Tender geparkt)

20. Januar 1996


Khanewal, Abfahrt des Sonderzuges, 77 kBAusfahrt aus Khanewal

Hinter Khanewal verlassen wir die Hauptstrecke und den Fahrdraht, um in Richtung Shorkot und Faisalabad abzuzweigen.

Die CWD (Achsfolge 1' D 1') ist eher ein Leichtbau und weist nur recht wenige typische Merkmale amerikanischen Lokomotivbaus auf.

20. Januar 1996


Khanewal, BW, 64 kBDampfloks im Depot Khanewal

Bevor es auf die neue Strecke geht, nutzen einige die Scheinanfahrt, um einen kurzen Sprint ins Depot zu machen, wo noch einige weitere CWDs abgestellt sind. In welchem Zustand sich diese Loks befinden, können wir bei diesem Kürzest-Besuch nicht herausfinden.

20. Januar 1996


Khanewal - Shorkot, Dorf, 75 kBDorf zwischen Khanewal und Shorkot

Die nächste Scheinanfahrt findet in einem Dorf einige Kilometer weiter statt. Allerdings bringt unser Halt dort soviel Aufregung mit sich, daß das Motiv einer einer einigermaßen normalen Dorfszene vor lauter freundlicher Neugier nicht zustandekommt. Also verleg ich mich auf die Tiere, die unser Erscheinen eher kalt läßt.

20. Januar 1996


Khanewal - Shorkot, Stellwerk, 60 kBDampflok mit Stellwerk

Weiß gestrichene Stellwerk aus Beton sind typisch für Neubauten der Pakistan Railways. Die handbetriebene mechanische Signaltechnik bleibt aber auch bei Neubauten erhalten. Nur auf dem elektrischen Abschnitt Khanewal - Lahore habe ich Lichtsignale gesehen.

20. Januar 1996


Fahrgäste, 57 kBSchlafwagenabteil

Im Schlafwagen, in dem auch ich untergekommen bin, gibt es 4- und 6-Bett-Abteile, die wir jeweils halb belegen. Im 6-Bett-Abteil liegen sind jeweils 2 Kojen an der Außenwand, der Wand zum Gang und der Querwand. Links hinten dir Tür zur eigenen Naßzelle. Der relative Komfort dieses Wagens liegt allerdings etwas über dem der anderen Wagen dieses Zuges.

Die Fenster sind leider - wie auf dem indischen Subkontinent üblich - alle vergittert. Sie besitzen drei Teile, die sich mit mehr oder weniger Kraftaufwand nach oben schieben lassen: dem eigentlichen Glasfenster, einem engmaschigen Fliegengitter, und einer Blech-Jalousie. Allerdings bleiben die meisten Fenster auch im geschlossenen Zustand undicht und lassen eine Menge Staub und weiter nördlich auch die Kälte ungehindert hinein. 

(Bei den abgebildeten Herrschaften handelt es sich um die Reiseleitung)

20. Januar 1996


Shorkot Jn, BR SPS & CWD, 73 kBShorkot Junction, SPS und CWD

Am späten Nachmittag erreichen wir Shorkot Cantonement Junction, den nächsten Bahnknoten. Hier tauschen wir die CWD gegen eine SPS (2'B) aus dem Depot in Malakwal, unserem Tagesziel. Zur Zeit haben wir etwa 6 Stunden Verspätung.

Die SPS hängt hier noch vor einem Güterzug und hat möglicherweise heute schon eine Zugleistung hinter sich. Es kann aber auch sein - ich habe es nicht mehr in Erinnerung -, daß diese Bild gestellt ist. 

20. Januar 1996


Ziegelei ndl. Shorkot, 59 kBZiegelei

Ziegelleien entlang der Strecke sind ein häufiger Anblick. Holz als Baumaterial ist in Pakistan Mangelware, es gibt praktisch keinen Wald. Lehm hingegen gibt es im Bereich der großen Flüsse reichlich. So bauen die Pakistani ihre Dörfer mit Ziegelhäusern, die üblicherweise hell verputzt werden.

20. Januar 1996


ndl. Shorkot, SPS mit Sonderzug, 59 kBScheinanfahrt am Teich

Als die Sonne sich dem Horizont nähert, halten die Fotostrategen intensiv nach geeigneten Motiven Ausschau. Sie scheinen recht zufrieden mit ihrer Wahl, als sie den Zug an diesem Teich als letzter Fotostelle des Tages halten lassen.

20. Januar 1996


SPS und Sonderzug im Abendlicht, 44 kBIm Abendlicht

Die Sonne senkt sich schnell, und bei der Wiederholung der Scheinanfahrt  kann man den besonders bei britischen Eisenbahnfotografen beliebten "Glint" aufnehmen.

20. Januar 1996


Bf. Pakka Anna, Durchfahrt bei Sonnenuntergang, 42 kBÜberholung im Bahnhof Pakka Anna

Dann ist die Sonne weg und wir warten im Bahnhof Pakka Anna auf eine Überholung. Der (durch uns?) reichlich verspätete "Chenab-Express" donnert durch den Bahnhof. Er wird von einer Henschel-Lok der Baureihe HGMU30 gezogen.

20. Januar 1996


Malakwal bis Abend zu erreichen, ist illusorisch geworden. Wir bereiten uns auf eine weitere Nachtfahrt vor, diesmal mit Dampf. Das Ziel ist von hier aus noch 220 km entfernt und unsere nicht ganz fitte SPS wird mit mehreren Betriebshalten dazu den größten Teil der Nacht benötigen. Für Eisenbahnfreunde allerdings ist es ein besonderer Genuß, sich mit den Auspuffschlägen einer Dampflok in den Schlaf schaukeln zu lassen.


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© Copyright 1999 Roland Ziegler