Eisenbahnen in Sri Lanka

Eine Übersicht über Geschichte und Gegenwart der Sri Lanka Railways

Geschichte
Streckennetz
Lokomotiven und Züge
Quellenhinweis

 

[zurück zur Reiseübersicht Sri Lanka]

[home]


Geschichte

Die Planung für eine Eisenbahn in Ceylon begann 1845, als die private "Ceylon Railway Company" gegründet wurde. Sie sollte eine Bahnstrecke von Colombo nach Kandy errichten. Ochsenkarren in jener Zeit brauchten fast 12 Tage für die 115 km lange Reise und den Höhenunterschied von knapp 500 m. Transportiert wurde hauptsächlich Kaffee aus den Plantagen im Hochland nach Colombo und Versorgungsgüter, z.B. Reis von Colombo nach Kandy.

1860 allerdings ging die Ceylon Railway Company bereits in Konkurs, ohne einen einzigen Meter Gleis gelegt zu haben. Erst drei Jahre später, als die englische Kolonialregierung die Sache in die Hand genommen hatte, begann der Bau der Strecke. Schwierigkeiten gab es schon im sumpfigen Tiefland, wo über lange Strecken Steinschüttdämme erforderlich wurden. Beim Anstieg ins Hochland mußte die Trasse Strecke abschnittsweise aus dem Felsen gehauen werden. Neun Tunnel, der längste davon 300 m, und eine Steigung von 1:45 kennzeichnen diesen Streckenabschnitt. Viele der 3000 Arbeiter kamen durch Malaria und Cholera ums Leben. Der Monsun mit Hochwasser und Erdrutschen tat ein übriges, um den Bau zu behindern.

Im August 1867 war es dann soweit, der Personenverkehr von Colombo nach Kandy wurde eröffnet. Zwei Monate später folgte der Güterverkehr, der wesentliche Grund für den Bau der Strecke.

Die Vernichtung der Kaffeepflanzen durch Mehltau veranlaßte die Pflanzer, auf Tee zu wechseln. Neue Plantagen wurden weiter oben im Hochland angelegt. Die Bahn mußte mit dieser Erschließung Schritt halten. 1885 wurde Nanu Oya auf etwa 1700 m Höhe erreicht. Von dort aus existierte später zeitweise eine Schmalspurstrecke nach Nuwara Eliya, dem höchsten Ort der Insel auf 1898 m. Der heutige Endpunkt der "Main Line" in Badulla wurde erst in den 20er Jahren erreicht. Für ein Vierteljahrhundert war Bandarawela auf 1271m Höhe und 257 km von Colombo das Streckende.

Inzwischen wurde die Küstenstrecke von Colombo nach Galle gebaut. Diese Strecke war im südlichen Colombo durch den Park "Galle Face Green" geplant. Nach Auseinandersetzung mit den Damen der Oberschicht, die ihre Erholungsmöglichkeiten und die Sicherheit ihrer Kinder gefährdet sahen, wurde die Strecke zur Küste verschwenkt. Die daraus resultierende scharfe Kurve im Verlauf der Trasse ist noch heute augenfällig.

Im Hochland wurde Matale in Fortsetzung der Stichstrecke nach Kandy 1880 angeschlossen. Der Bau der Nordstrecke von Polgahawela nach Anuradhapura dauerte bis 1904. Die nördlichen Ziele Jaffna und Tailmannar wurden 1905 bzw. 1914 auf der Schiene erreichbar. Die Gleise für die Nebenstrecke über Negombo und Chilaw nach Puttalam wurden zwischen 1908 und 1926 verlegt. 1926 begann dann der Bau der Strecke von Maho an der Nordstrecke zur Ostküste nach Trincomalee (1927) und nach Batticaloa (1928).

Zur Erschließung der Gummiplantagen östlich von Colombo wurde eine Schmalspurstrecke durch das Kelani-Tal gebaut. Avissawella wurde 1902 erreicht, Ratnapura 1912 und Opanaike 1919.

Ab Ende der 30er Jahre macht sich die Konkurrenz durch die Straße bemerkbar und die Eisenbahn rutschte ins Minus. Trotzdem wurden bis heute Streckenstillegungen nur sehr vorsichtig vorgenommen. Nur die Schmalspurstrecken haben gelitten, besonders die Kelani-Valley-Line, deren Gesamtschließung seit Jahrzehnten im Gespräch war, die aber bis Avissawella überlebt hat und sogar umgespurt wurde.

Nur durch den Bürgerkrieg bedingt sind die Strecken im Norden nach Jaffna und Mannar außer Betrieb. Auch die Ostküste war in Folge des Krieges jahrelang nicht auf der Schiene erreichbar. Nach Batticaloa fahren auch heute noch keine Reisezüge wieder.

Über 60 Jahre lang wurden keine neuen Strecken gebaut. 1994 wurde dann die kurze Stichstrecke von Anuradhapura nach Mihintale eröffnet. Ende der 90er Jahre ist auf der Küstenstrecke der zweigleisige Ausbau bis Alutgama im Gange. Auch auf der Main Line nach Kandy wird weiter ausgebaut.

Im Zuge der Nationalisierungskampagne zu Beginn der 80er Jahre wurden aus den Ceylon Government Railways (C.G.R.) die Sri Lanka Railways (S.L.R.), aber weder sind der heutige offizielle Name noch die Abkürzung weit verbreitet. Das alte Wappen der C.G.R. hingegen ist noch häufig zu sehen.

Streckennetz

Das Netz der Sri Lanka Railways umfaßt die folgende Strecken, alle in indischer Breitspur mit 5' 6" = 1676 mm (Sonderfall Kelani-Valley-Line s.u.) aufweisen:

Lokomotiven und Züge

In den 50er Jahren begann der Traktionswechsel. Aus den Dampfzeiten sind heute fünf Lokomotiven erhalten geblieben, die für Sonderfahrten genutzt werden. Die Flotte der im Einsatz befindlichen Diesellokomotiven stammt unter anderem von Montreal Locomotive Works/Alco, Hitachi/Kegai, Brush/GM und Henschel. Aus der jüngsten Henschel-Serie wurden in den letzten Jahren einige Loks modernisiert und mit Caterpillar-Maschinen ausgerüstet.

Im Nahverkehr werden Dieseltriebwagen eingesetzt. Die älteren grünen Fahrzeuge von Hitachi haben noch Holzaufbau und werden heute hauptsächlich auf Strecken außerhalb Colombos verwendet. Anfang der 90er Jahre wurden in größeren Serien neue orange-graue Triebwagen in Korea beschafft, die als Power-Sets heute den Nahverkehr in Colombo abwickeln. Auf einigen Nebenbahnen verkehrt seit 1998 der Railbus, eine Konstruktion aus indischen Straßenbussen mit Eisenbahnradsätzen.

Lokbespannte Züge haben Reisezugwagen aus im wesentlichen rumänischer Produktion, ältere Wagen stammen aus Indien. Expreßzüge führen 2. und 3. Klasse, die wichtigsten haben auch einen Buffetwagen. Lokbespannte Lokalzüge führen nur die dritte Wagenklasse. Auf der Main-Line im Hochland verkehren die Lokalzüge üblicherweise als GmP.

Einige Expreßzüge mit Namen führen auch 1. Klasse. Zur 1. Klasse zählen die Aussichtsabteile der "Menike"-Züge nach Badulla, klimatisierte Wagen nach Anuradhapura / Polonnaruwa, oder die Schlafwagen in den wenigen Nachtzügen. Die schnellsten Tageszüge sind die Intercity Expreß von Colombo nach Kandy und neu von Colombo nach Galle.

Für dampfbespannte Sonderzüge steht der Viceroy zur Verfügung, klimatisiert, mit Speisewagen, der üblicherweise im Charterverkehr von Alutgama an der Küste aus zweitägige Fahrten nach Kandy unternimmt.

Alle Fahrzeuge sind mit Vakuumbremse ausgerüstet. Reisezugwagen haben sowohl Schraubenkupplung und Seitenpuffer als auch Mittelpufferkupplung. Neuere Dieslloks und die Power-Sets der neuen Serie haben nur Mittelpufferkupplung.

Quellenhinweis

Royston Ellis, Sri Lanka by Rail, Bradt Publications, 1994, ISBN 0 946983 77 1.


[Seitenanfang]

[zurück zur Reiseübersicht Sri Lanka]

[home]


© Copyright 1999 Roland Ziegler